Kleines Land, großes Durchhaltevermögen

Meine Riese in den Libanon. Ein Bericht. Teil 2 von 3

Manches, das ich über den Libanon erfahren habe, kommt mir wieder in den Kopf, wenn ich Fotos und Aufzeichnungen durchsehe. 

 

2:1 ist im Libanon kein Fussballergebnis. Es ist das Verhältnis von Libanesinnen wie Libanesen zu den in den Libanon geflüchteten Menschen. 1,5 Millionen Menschen aus Syrien wurden aufgenommen, weitere 500.000 Flüchtlinge mit palästinensischer Nationalität oder aus anderen Staaten leben zusätzlich im Land.

2,4 Dollar täglich: Mehr als 1,2 Millionen Menschen leben im Libanon unter dieser Armutsgrenze. Das sind doppelt so viele wie noch 2014.

251 Gemeinden: In ihnen leben nicht nur 86% aller syrischen Flüchtlinge, sondern auch zwei Drittel der Libanesinnen und Libanese in Armut. Öffentliche und soziale Dienste (Kindergärten, Schulen, Entsorgung,…) können diese Gemeinden nicht mehr aus eigener Kraft aufrechterhalten.

Im Libanon kommen gleich viel Flüchtlingskinder wie libanesische Kinder zur Welt. Die Bevölkerung ist in den letzten 4 Jahren um 28 Prozent gewachsen.

Auf unserer Reise durften wie erleben, was die Menschen im Libanon großartiges leisten. Oftmals fragte ich mich: Wie lange wird dieses Land noch durchhalten? Nicht jedem ist bekannt, dass auch der Libanon selbst turbulente Zeiten durchgemacht hat. In der jüngsten Geschichte durchlebten die Libanesinnen und Libanesen zwei Bürgerkriege- Zudem mischten sich die Nachbarstaaten immer wieder in die libanesische Politik ein. In dem seit 1943 unabhängigen Staat herrscht ein labiles Gleichgewicht von christlichen, sunnitischen und schiitischen EinwohnerInnen. Ein politisches Proporzsystem soll ausgleichend wirken, aber der demographische Wandel gefährdet die Balance genauso wie die aktuellen Krisen. Der Bürgerkrieg im Nachbarland bedeutet für den Libanon nicht nur, dass viele SyrerInnen ins Land flüchten. Gleichzeitig herrscht auch eine wirtschaftliche Krise – Tourismus, Handel und Dienstleistungen brechen ein.

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