Mehr Prävention gegen sexuelle Übergriffe im Sport

Sport bringt Menschen zusammen, er fördert einen gesunden Lebensstil, stärkt junge Persönlichkeiten und bereitet Freude und Erfolgserlebnisse. Im Training werden Kinder und Jugendliche immer wieder auf das Neue motiviert und herausgefordert. In den Nachwuchsteams werden heute schon viele Stars von morgen betreut – von den Schwimmerinnen und Schwimmern bis zu den Fußballerinnen und Fußballern. Dabei werden im Vereinssport intensive Vertrauensverhältnisse aufgebaut, Freundschaften geknüpft. Jugendliche und Trainerinnen bzw. Trainer verbringen viel Zeit miteinander. Gemeinsam werden viele schöne Erfahrungen gemacht.

Wir achten aufeinander zum Download. Das Infoblatt zu  „Wir achten aufeinander!“

Bekannt ist aber auch: Die körperliche, sexuelle und seelische Unversehrtheit von Kindern und Jugendlichen wird überwiegend dort verletzt, wo enge Beziehung, großes Vertrauen und starke Abhängigkeit bestehen. Heute Startet die Initiative „Wir achten aufeinander!“: Mir ist ein offener und sensibler Umgang mit diesem Thema wichtig. Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass manche Kinder und Jugendliche auch verstörende Erfahrungen im Sporttraining machen. Wir müssen klar darüber reden, wenn Grenzen missachtet werde. Als Sportlandesrätin bin ich davon überzeugt, dass eine tabulose und offene Auseinandersetzung mit sexuellen Übergriffen im Sport Sicherheit schafft. Sicherheit für Kinder und Jugendliche, aber auch für Trainerinnen, Trainer und Eltern.

Den Salzburger Sportvereinen und Verbänden werden Informationsblätter und Plakate mit dem Titel „Signale erkennen und handeln. Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport“ zur Verfügung gestellt. Diese sollen nicht nur im eigenen Verein bzw. der Sportstätte aufgehängt werden, sondern das Thema soll auch mit Funktionärinnen und Funktionären, Trainerinnen und Trainern, Eltern und Kindern sowie Jugendlichen besprochen werden. Die Sportvereine und Verbände setzen damit ein deutliches Zeichen, dass Übergriffe und Gewalt nicht toleriert werden. Gleichzeitig werden zudem Workshops zum Thema Gewaltprävention im Sport angeboten. Der organisierte Sport leistet damit einen wirkungsvollen Beitrag, um den Schutz junger Menschen sicher zu stellen.

Schutz vor Übergriffen im Sport Bild v. l.: Walter Pfaller,Thomas Wörz, Chris Karl, Teresa Lugstein und Landesrätin Martina Berthold
Schutz vor Übergriffen im Sport
Bild v. l.: Walter Pfaller,Thomas Wörz, Chris Karl, Teresa Lugstein und Landesrätin Martina Berthold

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über „komische Gefühle“ und Gewalterfahrungen offen sprechen

Der neue Ethikkodex für die sportliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen regt zu einem respektvollen und sensiblen Umgang im Sport an. „Wir achten aufeinander!“ soll für eine neue Kultur des Hinhörens und offenen Redens sorgen, denn eines ist klar: Grenzüberschreitungen sind keine Kavaliersdelikte. Das Spektrum ist breit und reicht von anzüglichen Bemerkungen, bis zu sexistischen Äußerungen und Handlungen in Gegenwart von Kindern und Jugendlichen, scheinbar zufälligen Berührungen bis hin zu sexuell gefärbten SMS oder sexuellen Handlungen. Sexualisierte Gewalt in einer Beziehung von Sportler bzw. Sportlerin zu Trainer bzw. Trainerin kann massive psychische Verletzungen zur Folge haben. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen bleiben mit ihren Gewalt-Erfahrungen oftmals alleine. Aus Scham, Angst und Unsicherheit suchen sie oft erst sehr spät Hilfe. Die neue Initiative ermutigt Kinder und Jugendliche über „komische“ Gefühle im Kontakt mit Erwachsenen mit ihnen vertrauten Personen zu sprechen.

Wer sind die Betroffenen?

In Österreich ist die Erforschung von sexuellen Übergriffen im Sport nur schwach erforscht. Ganz anders in den US oder Polen, auch Deutschland holt auf. Laut der deutschen Polizei-Kriminalstatistik (Daten aus dem Jahr 2014) machen Jugendliche im Alter zwischen vierzehn und 18 Jahren mit rund 66 Prozent den größten Anteil der Betroffenen aus. Mädchen sind dabei allgemein häufiger Opfer von sexuellen Übergriffen. Laut UNICEF Österreich macht schätzungsweise jedes zehnte Mädchen auf der Welt in ihrem Leben die Erfahrung, zu sexuellen Handlungen gedrängt oder gezwungen zu werden. UNICEF empfiehlt sechs zentrale Strategien, um Gewalt gegen Kinder zurückzudrängen. Dazu gehören Unterstützungsprogramme für Eltern, die Stärkung des Selbstbewusstseins von Kindern, Aufklärungskampagnen, Gesetzesreformen und wirksame Kinderschutzsysteme. „Wir achten aufeinander!“ ist ein wichtiger Baustein im Bereich des Kinder- und Jugendsports.

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